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Rechtsprechung // Wettbewerbsrecht



BGH, Urteil vom 26.01.2023 - I ZR 15/22

KERRYGOLD - Zum lauterkeitsrechtlichen Nachahmungsschutz bei verpackten Produkten (hier Butter und Mischstreichfette)

UWG § 4 Nr. 3

Leitsätze:*

1. Anspr√ľche aus wettbewerbsrechtlichem Leistungsschutz dienen vorrangig dem Schutz individueller Leistungen und daneben dem Interesse der Allgemeinheit an einem unverf√§lschten Wettbewerb. Sie sollen grunds√§tzlich nur von demjenigen geltend gemacht werden k√∂nnen, der die zu sch√ľtzenden Leistungen erbracht hat. Das ist in der Regel der Hersteller der nachgeahmten Ware. Dabei ist Hersteller, wer das Erzeugnis in eigener Verantwortung herstellt oder von einem Dritten herstellen l√§sst und √ľber das Inverkehrbringen entscheidet. Nicht erforderlich ist, dass der Hersteller zugleich der Sch√∂pfer oder Urheber des Originalprodukts ist (BGH, Urteil vom 02.12.2015 - I ZR 176/14 - Herrnhuter Stern, mwN). Es kann aber auch der in seinem Vertrieb behinderte Alleinvertriebsberechtigte eines nachgeahmten Erzeugnisses als unmittelbar Verletzter im Sinne des ¬ß 4 Nr. 3 UWG anzusehen sein, wenn durch den Vertrieb eines nachgeahmten Erzeugnisses √ľber die Herkunft aus dem Betrieb eines bestimmten Herstellers und damit auch √ľber die Herkunft aus dem Betrieb des ausschlie√ülichen Vertriebsberechtigten get√§uscht wird (vgl. BGH, Urteil vom 14.04.1988 - I ZR 35/86 - Vespa-Roller; BGH, Urteil vom 18.10.1990 - I ZR 283/88 - Finnischer Schmuck; BGH; Urteil vom 24.03.1994 - I ZR 42/93 - Cartier-Armreif; BGH, Urteil vom 15.07.2004 - I ZR 142/01 - Metallbett).

2.

a) Verpackte Produkte - wie Butter und Mischstreichfette - können Gegenstand des lauterkeitsrechtlichen Nachahmungsschutzes sein. Einem verpackten Produkt kann wettbewerbliche Eigenart zukommen, wenn die äußere Ausgestaltung oder bestimmte Merkmale der Verpackung des Produkts geeignet sind, die interessierten Verkehrskreise auf die betriebliche Herkunft oder die Besonderheiten der darin verpackten Ware hinzuweisen.

b) Eine Herkunftst√§uschung durch eine nachgeahmte Produktverpackung ist bei unterschiedlichen Produkt- oder Herstellerbezeichnungen nicht stets ausgeschlossen, wenn nicht alle wesentlichen Gestaltungsmerkmale des Originals identisch √ľbernommen werden. Bei der Pr√ľfung der Frage, ob eine Herkunftst√§uschung vorliegt, m√ľssen vielmehr alle Umst√§nde des Einzelfalls in den Blick genommen werden, insbesondere ist zu ber√ľcksichtigen, welche Produkt- und Herkunftsbezeichnungen auf der Nachahmung verwendet werden und in welcher Weise dies geschieht (Fortf√ľhrung von BGH, Urteil vom 19. Oktober 2000 - I ZR 225/98, GRUR 2001, 443 = WRP 2001, 534 - Viennetta).

MIR 2023, Dok. 029


Anm. der Redaktion: Leitsätze 2 a) und b) sind die amtlichen Leitsätze des Gerichts.
Download: Entscheidungsvolltext PDF

Bearbeiter: Rechtsanwalt Thomas Ch. Gramespacher
Online seit: 13.04.2023
Kurz-Link zum Artikel: http://miur.de/3273

*Redaktionell. Amtliche Leit- und Orientierungssätze werden in einer "Anm. der Redaktion" benannt.

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