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Kurz notiert: Urheberrecht


Bundesgerichtshof

Fragen zur Haftung von YouTube f√ľr Urheberrechtsverletzungen dem EuGH vorgelegt

BGH, Beschluss vom 13.09.2018 - I ZR 140/15 - YouTube; Vorinstanz: LG Hamburg, Urteil vom 03.09.2010 - 308 O 27/09, OLG Hamburg, Urteil vom 01.07.2015 - 5 U 175/10

MIR 2018, Dok. 038, Rz. 1


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Der Bundesgerichtshof hat dem Gerichtshof der Europ√§ischen Union mit Beschluss vom 13.09.2018 (I ZR 140/15 - YouTube) Fragen zur Haftung des Betreibers der Internetvideoplattform YouTube f√ľr von Dritten hochgeladene urheberrechtsverletzende Inhalte vorgelegt.

Zur Sache:

Der Kl√§ger ist Musikproduzent. Er hat mit der S√§ngerin Sarah Brightman im Jahr 1996 einen K√ľnstlerexklusivvertrag geschlossen, der ihn zur Auswertung von Aufnahmen ihrer Darbietungen berechtigt. Im November 2008 erschien das Studioalbum "A Winter Symphony" mit von der S√§ngerin interpretierten Musikwerken. Zugleich begann die K√ľnstlerin die Konzerttournee "Symphony Tour", auf der sie die auf dem Album aufgenommenen Werke darbot. Der Kl√§ger behauptet, er habe dieses Album produziert.

Die Beklagte zu 3 - YouTube LLC - betreibt die Internetplattform "YouTube", auf die Nutzer kostenlos audiovisuelle Beiträge einstellen und anderen Internetnutzern zugänglich machen können. Die Beklagte zu 1 - Google Inc.- ist alleinige Gesellschafterin der Beklagten zu 3.

Anfang November 2008 waren bei "YouTube" Videos mit Musikwerken aus dem Repertoire von Sarah Brightman eingestellt, darunter private Konzertmitschnitte und Musikwerke aus ihren Alben. Der Kläger wandte sich mit anwaltlichem Schreiben an eine Schwestergesellschaft der Beklagten zu 3, mit dem er die Schwestergesellschaft und die Beklagte zu 1 aufforderte, strafbewehrte Unterlassungs- und Verpflichtungserklärungen abzugeben. Die Schwestergesellschaft leitete das Schreiben an die Beklagte zu 3 weiter. Diese sperrte daraufhin jedenfalls einen Teil der Videos. Am 19.11.2008 waren bei "YouTube" erneut Videos abrufbar.

Der Kl√§ger hat die Beklagten auf Unterlassung, Auskunftserteilung und Feststellung ihrer Schadensersatzpflicht in Anspruch genommen. Das Landgericht hat der Klage hinsichtlich dreier Musiktitel stattgegeben und sie im √úbrigen abgewiesen. Das Berufungsgericht hat die Beklagten verurteilt, es zu unterlassen, Dritten in Bezug auf sieben n√§her bezeichnete Musiktitel zu erm√∂glichen, Tonaufnahmen oder Darbietungen der K√ľnstlerin Sarah Brightman aus dem Studioalbum "A Winter Symphony" √∂ffentlich zug√§nglich zu machen. Ferner hat es die Beklagten zur Erteilung der begehrten Auskunft √ľber die Nutzer der Plattform verurteilt, die diese Musiktitel unter Pseudonymen auf das Internetportal hochgeladen haben. Im √úbrigen hat es die Klage abgewiesen. Der Kl√§ger verfolgt mit seiner Revision seine Klageantr√§ge weiter. Die Beklagten erstreben mit ihrer Revision die vollst√§ndige Abweisung der Klage.

Entscheidung des Bundesgerichtshofs: Nimmt Youtube eine Handlung der Wiedergabe im Sinne von Art. 3 Abs. 1 der Richtlinie 2001/29/EG vor?

Der Bundesgerichtshof hat das Verfahren ausgesetzt und dem Gerichtshof der Europ√§ischen Union Fragen zur Auslegung der Richtlinie 2001/29/EG zur Harmonisierung bestimmter Aspekte des Urheberrechts und der verwandten Schutzrechte in der Informationsgesellschaft, der Richtlinie 2000/31/EG √ľber den elektronischen Gesch√§ftsverkehrs und der Richtlinie 2004/48/EG zur Durchsetzung der Rechte des geistigen Eigentums vorgelegt.

Es stelle sich die Frage, ob der Betreiber einer Internetvideoplattform, auf der Nutzer Videos mit urheberrechtlich gesch√ľtzten Inhalten ohne Zustimmung der Rechtsinhaber √∂ffentlich zug√§nglich machen, eine Handlung der Wiedergabe im Sinne von Art. 3 Abs. 1 der Richtlinie 2001/29/EG vornimmt, wenn
  • er mit der Plattform Werbeeinnahmen erzielt, der Vorgang des Hochladens automatisch und ohne vorherige Ansicht oder Kontrolle durch den Betreiber erfolgt,
  • der Betreiber nach den Nutzungsbedingungen f√ľr die Dauer der Einstellung des Videos eine weltweite, nicht-exklusive und geb√ľhrenfreie Lizenz an den Videos erh√§lt,
  • der Betreiber in den Nutzungsbedingungen und im Rahmen des Hochladevorgangs darauf hinweist, dass urheberrechtsverletzende Inhalte nicht eingestellt werden d√ľrfen,
  • der Betreiber Hilfsmittel zur Verf√ľgung stellt, mit deren Hilfe Rechtsinhaber auf die Sperrung rechtsverletzender Videos hinwirken k√∂nnen,
  • der Betreiber auf der Plattform eine Aufbereitung der Suchergebnisse in Form von Ranglisten und inhaltlichen Rubriken vornimmt und registrierten Nutzern eine an von diesen bereits angesehenen Videos orientierte √úbersicht mit empfohlenen Videos anzeigen l√§sst,
sofern er keine konkrete Kenntnis von der Verf√ľgbarkeit urheberrechtsverletzender Inhalte hat oder nach Erlangung der Kenntnis diese Inhalte unverz√ľglich l√∂scht oder unverz√ľglich den Zugang zu ihnen sperrt.

Anwendungsbereich von Art. 14 Abs. 1 der Richtlinie 200/31/EG eröffnet?

Weiterhin möchte der Bundesgerichtshof wissen, ob die Tätigkeit des Betreibers einer solchen Internetvideoplattform in den Anwendungsbereich von Art. 14 Abs. 1 der Richtlinie 2000/31/EG fällt und ob sich die in dieser Vorschrift genannte tatsächliche Kenntnis von der rechtswidrigen Tätigkeit oder Information und das Bewusstsein der Tatsachen oder Umstände, aus denen die rechtswidrige Tätigkeit oder Information offensichtlich wird, auf konkrete rechtswidrige Tätigkeiten oder Informationen beziehen muss.

Möglichkeit einer gerichtlichen Anordnung erst nach dem Hinweis auf eine klare Rechtsverletzung mit Art. 8 Abs. 3 Richtlinie 2001/29/EG vereinbar?

Weiter fragt der Bundesgerichtshof den EuGH danach, ob es mit Art. 8 Abs. 3 der Richtlinie 2001/29/EG vereinbar ist, wenn der Rechtsinhaber gegen einen Diensteanbieter, dessen Dienst in der Speicherung von durch einen Nutzer eingegebenen Informationen besteht und von einem Nutzer zur Verletzung eines Urheberrechts oder verwandter Schutzrechte genutzt worden ist, eine gerichtliche Anordnung erst dann erlangen kann, wenn es nach einem Hinweis auf eine klare Rechtsverletzung erneut zu einer derartigen Rechtsverletzung gekommen ist.

Im Verneinensfall: Kommt Youtube als Verletzer im Sinne von Art. 11 Satz 1 und Art. 13 der Richtlinie 2004/48/EG in Betracht?

F√ľr den Fall, dass die vorgenannten Vorlagefragen verneint werden, fragt der Bundesgerichtshof schlie√ülich danach, ob der Betreiber einer Internetvideoplattform unter den in der ersten Frage beschriebenen Umst√§nden als Verletzer im Sinne von Art. 11 Satz 1 und Art. 13 der Richtlinie 2004/48/EG anzusehen ist und ob die Verpflichtung eines solchen Verletzers zur Leistung von Schadensersatz nach Art. 13 Abs. 1 der Richtlinie 2004/48/EG davon abh√§ngig gemacht werden darf, dass der Verletzer sowohl in Bezug auf seine eigene Verletzungshandlung als auch in Bezug auf die Verletzungshandlung des Dritten vors√§tzlich gehandelt hat und wusste oder vern√ľnftigerweise h√§tte wissen m√ľssen, dass Nutzer die Plattform f√ľr konkrete Rechtsverletzungen nutzen.

(tg) - Quelle: PM Nr. 150/2018 des BGH vom 13.09.2018


Bearbeiter: Rechtsanwalt Thomas Ch. Gramespacher (Google+ Profil)
Online seit: 13.09.2018
Kurz-Link zum Artikel: http://miur.de/2883
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